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alle Artikel 3. August 2020

Crowdinvesting: „Gutes für die Umwelt tun und gleichzeitig Rendite erzielen“ [Interview]

Anleger, die ihr Kapital in nachhaltige Projekte investieren möchten, sollten sich Crowdinvesting mal genauer anschauen. Das Besondere an dieser Form der Geldanlage ist, dass man als Anleger genau weiß, in welches Unternehmen oder Projekt man investiert. 

Da Crowdinvesting darauf ausgelegt ist, dass das jeweilige Projekt nicht von wenigen großen Investoren finanziert wird, sondern von vielen kleinen, sind in der Regel bereits Anlagebeträge ab wenigen Hundert Euro möglich. 

Inzwischen gibt es auch in Deutschland einige Crowdinvesting-Plattformen mit konkret nachhaltigem Ansatz. Die Rendite, die mit einem Investment möglich ist, kann sich durchaus sehen lassen.

Wie Crowdinvesting genau funktioniert, wie es sich von Crowdfunding und anderen Kapitalanlagen abgrenzt und wo die Chancen und Risiken liegen, darüber haben wir mit Isatu Waag gesprochen. Sie ist Gründerin und Geschäftsführerin von ecozins, einer Crowdinvesting-Plattform, die sich auf nachhaltige Projekte spezialisiert hat.

Crowdinvesting: Interview mit Isatu Waag von ecozins

Isatu Waag von ecozins

Hallo Isatu, erzähl erstmal etwas zu Deinem Background und wie Du zu den Themen Nachhaltigkeit und Crowdinvesting gekommen bist?

Ich bin seit Kindesbeinen an ein sehr natur- und umweltbewusster Mensch. Deswegen gab es bei mir nicht diesen Bewusstseinswandel, dass mein Leben jetzt nachhaltiger werden soll. Vielmehr wollte ich mich auch beruflich mit Umwelt und Natur beschäftigen und habe deswegen Agrarökonomie studiert und meinen Master gemacht.

Nach dem Studium hat es mich dann in den Bereich Erneuerbare Energien verschlagen, als ich angefangen habe, für einen Projektentwickler zu arbeiten, der Solar-, Biogas- und Windprojekte plant und umsetzt.

Dadurch hatte ich noch einen anderen Zugang zum Thema Nachhaltigkeit. Mein Part dabei war die kaufmännische Seite. Ich war also auch dafür zuständig, woher das Geld für die Projekte kam.

Dabei meldeten sich immer wieder Menschen, die Interesse an nachhaltigen Geldanlagen hatten und fragten, ob sie nicht in eins unserer Projekte investieren können. Das haben wir damals aber nicht gemacht. Zu der Zeit kam gerade das Kleinanlegerschutzgesetz heraus und viele Projektentwickler haben darauf verzichtet, Bürgerbeteiligung anzubieten.

Hier eine Lösung zu finden, fand ich eine spannende Herausforderung. Zumal es mich schon während des Studiums gereizt hat, mich einmal selbstständig zu machen. Zeitgleich kam mit der Plattform Exporo das Thema Crowdinvesting im Bereich Immobilien auf. So entwickelte sich bei mir die Idee, dass das doch auch für Erneuerbare Energien interessant wäre.

Der Markt auf Anlegerseite war da – mit einer klaren Entwicklung hin zu mehr Nachhaltigkeit in allen Lebensbereichen, also auch bei der Geldanlage. Man möchte schließlich wissen, was mit seinem Kapital finanziert wird. Und da finde ich Crowdinvesting eine spannende Möglichkeit, weil es sehr transparent ist.

So bin ich letztendlich dazu gekommen, ecozins zu gründen.

Welche Idee verfolgt Ihr konkret mit Ecozins. Was habt Ihr Euch auf die Fahne geschrieben?

Da gibt es zwei Ebenen.

Zum einen ist für mich der Nachhaltigkeitsgedanke einer klimaneutralen Energieversorgung übergeordnete Vision. Zum anderen ist mir wichtig, dass sich die Menschen der Wirkung des Geldes bewusst sind.

Geld hat immer eine Wirkung, egal ob positiv oder negativ. Sich dessen bewusst zu sein, wie groß der Hebel ist, über Finanzen gesellschaftliche Themen zu steuern, wie beispielsweise Klimaschutz oder aber auch soziale Themen, ist für mich ein wichtiges Anliegen.

Die Menschen sollen mehr Spaß daran haben, sich mit ihren Finanzen zu beschäftigen und sich dabei ihrer Verantwortung bewusst sein.

Crowdinvesting ist hier ein sehr guter Einstieg. Es ist sehr transparent, die Geschäftsmodelle sind gut nachvollziehbar und man weiß genau, wem man das Kapital anvertraut und welches Projekt die Person bzw. die Gesellschaft damit realisiert.

Ich finde, das zeigt sehr plakativ die Wirkung des Geldes.

Erklär doch mal, was genau Crowdinvesting ist, auch in Abgrenzung zum Crowdfunding.

Das klassische Crowdfunding ist eher spendenbasiert. Das heißt man unterstützt ein Projekt, oftmals ein kulturelles oder auch ein privates, und bekommt dafür ein Dankeschön. In den USA haben sich das auch Startups zunutze gemacht, um Produkte sehr früh an den Markt zu bringen oder Vorbestellungen zu generieren.

Daraus hat sich dann schließlich auch das Crowdinvesting entwickelt. Der Unterschied zum Crowdfunding ist, dass es nicht spendenbasiert, sondern eine Finanzanlage ist. Ich stelle dem Projekt oder der Person, in der Regel ist es eine Gesellschaft, Kapital zur Verfügung, das mir verzinst zurückgezahlt wird. Hier ist es für Anleger also möglich, eine Rendite zu erzielen.

Und das mit dem Wissen, was man konkret mit dem Kapital finanziert.

Genau. Ich glaube, diese Transparenz ist ein ganz wichtiger Aspekt. Bei uns kommt neben der wirtschaftlichen Intention noch hinzu, dass wir mit unseren Projekten dem Klimaschutz dienen. Also Gutes für die Umwelt tun und gleichzeitig Rendite erzielen.

Wie kann man Crowdinvesting in den gesamten Bereich der Geldanlage einsortieren?

Ich kategorisiere Finanzanlagen immer in drei Bereiche, die jeweils mit unterschiedlichen Risiken und Chancen verbunden sind. Nummer 1 sind die klassischen Einlagengeschäfte, also Bankkonto, Festgeld- oder Tagesgeldkonto, was jeder braucht und wo es inzwischen auch nachhaltige Anbieter gibt. Wegen der niedrigen Verzinsung eignet sich dieser Bereich nicht so gut als Geldanlage.

Die zweite Kategorie sind Sparprodukte und ETFs (Börsengehandelte Fonds). Auch hier gibt es inzwischen viele nachhaltige Anbieter. Allerdings ist dabei nicht einheitlich definiert, was nachhaltig bedeutet. Solch ein Fonds investiert ja in sehr viele Unternehmen. Für mich als Privatanleger ist das meistens nicht sehr transparent. Ich kann mich zwar informieren, habe aber selbst keinen Einfluss, in welche Unternehmen investiert wird.

Den dritten Bereich bezeichne ich gern als Direktbeteiligung. Hier investiert man direkt in ein Projekt, zum Beispiel in eine Solar- oder Windkraftanlage oder auch in ein Startup.

Was die Risiken angeht, muss ich für mich selbst abwägen, was ich bereit bin, mitzugehen. Wenn man Rendite erzielen möchte, muss man auch bereit sein, ein gewisses Risiko einzugehen.

Bei Direktbeteiligungen, wie Crowdinvesting auch eine ist, sollte man sich deshalb im Vorfeld gut über das Projekt informieren. Es ist wichtig, dass man das Geschäftsmodell dahinter versteht und sich klar macht, wo genau die Risiken liegen könnten und welcher Fall eintreten müsste, dass die Gesellschaft das Kapital der Anleger nicht mehr zurückzahlen kann. Der Worst Case wäre, dass die Gesellschaft insolvent geht.

Wie genau läuft es ab, wenn ich in ein Crowdinvestingprojekt investieren will?

Zuerst geht man auf die Crowdinvesting-Plattform und informiert sich über die einzelnen Projekte. Meistens gibt es ein kleines Video, in dem der Verantwortliche etwas über das Projekt erzählt, über den bisherigen Verlauf und was er mit dem Investment vorhat. Außerdem finden sich hier noch weitere Informationen, also beispielsweise wer das Projekt an welchem Standort realisiert, welche Technik verbaut wird, welche Konditionen für das Investment gelten, wie hoch die Verzinsung ist und wie das Kapital ausgezahlt wird.

Wenn man ein Projekt ausgesucht hat, das den eigenen Vorstellungen entspricht, kann man sich ein Kundenkonto anlegen und direkt online in das Projekt investieren.

Das Geld, das man investiert, wird zunächst auf ein Treuhandkonto überwiesen. Dort bleibt es, bis die Auszahlungvoraussetzungen erfüllt sind. Dabei spricht man von einer Fundingschwelle, also einem Mindestbetrag, der zusammenkommen muss, damit das Projekt überhaupt realisiert werden kann.

Wird die Fundingschwelle nicht erreicht, bekommen die Anlegerinnen und Anleger das Geld sofort wieder zurück.

Wird das Projekt realisiert, gibt es eine feste Laufzeit. Bei uns gibt es in der Regel jährliche Zinszahlungen und am Ende der Laufzeit das Geld zurück. Eine andere Variante wäre die jährliche Tilgung.

Wie schätzt Du die Akzeptanz von Crowdinvesting in Deutschland ein auch mit Blick auf den internationalen Vergleich? Ist das schon in der Breite angekommen oder noch ein Nischenthema?

Ich glaube tatsächlich, dass es bei uns in Deutschland noch ein Nischenthema ist. Anders ist die Akzeptanz in den USA, wo Crowdinvesting ja auch herkommt. In Europa hat es sich besonders in England und Holland schon etabliert.

Ich denke, dass Crowdinvesting bei uns noch in den Kinderschuhen steckt, es aber durchaus noch Entwicklungspotenzial hat. Allerdings weiß man auch, dass die Deutschen bei der Geldanlage eher konservativ sind.

Wo siehst Du denn das besondere Potenzial von Crowdinvesting?

Crowdinvesting ist auf jeden Fall prädestiniert für neue Technologien oder für Startups. Was ich persönlich an Crowdinvesting sehr schätze – da bin ich mit Erneuerbaren Energien aber aber auch branchenverwöhnt –, ist, dass ich planbare Cashflows habe.

Es gibt diese große Ausgabe am Anfang, um in die Technologie zu investieren. Danach habe ich aber jedes Jahr einen gut planbaren Cashflow und dazu noch die Einspeisevergütung, die das ganze absichert. Das ist für eine Finanzanlage natürlich schön, wenn man das über 10 oder 20 Jahre kalkulieren kann.

Neben Erneuerbaren Energien sehe ich aber auch Potenzial für Themen, die ein nachvollziehbares Geschäftsmodell haben und Erträge sicherstellen können, bei denen am Ende auch für die Anleger etwas herauskommt, beispielsweise E-Mobilität, Ausbau von Ladesäulen, Speicherung von Energie oder Wasserkraft.

Was passiert, wenn eins Eurer Projekte die Fundingschwelle erreicht hat und umgesetzt werden kann? Begleitet Ihr das Projekt weiterhin?

Ja, genau. Wir begleiten die Projekte über die Laufzeit der Vermögensanlage und fungieren immer auch als erste Ansprechpartner für die Anlegerinnen und Anleger. Diese können sich jederzeit in ihrem Kundenkonto über den Verlauf der Projekte informieren. Dort sind alle Verträge, Jahresabschlüsse und Projektupdates hinterlegt.

Zu Anfang ist das natürlich immer spannender als wenn das Projekt in Betrieb ist, dann passiert ehrlicherweise nicht mehr so viel. Aber wir bleiben immer dran und stehen mit den Projektentwicklern in engem Austausch und vertreten die Interessen der Anlegerinnen und Anleger bis zum Ende der Laufzeit.

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